NRW: Der bundesweite Rahmen ist gesetzt, jetzt bringen neue Tarifabschlüsse den Beschäftigten der Paritätischen Tarifgemeinschaft (PTG) in den Ländern mehr Geld – und mehr Stärke.

Für mehr als 140 Organisationen der Paritätischen Wohlfahrtspflege gilt seit letztem Jahr ein Tarifvertrag: Die Paritätische Tarifgemeinschaft – kurz PTG – hat mit ver.di bundesweit die grundsätzlichen Rahmenbedingungen festgelegt, wie Arbeitszeiten, Zuschläge oder Urlaubstage. In vielen Bundesländern – konkret: in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein – wurden daraufhin auch Tarifverträge über Löhne und Gehälter abgeschlossen. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt gelten sie schon länger. Damit gibt es jetzt in zehn Bundesländern einen Tarifvertrag, in Niedersachsen wird aktuell noch verhandelt. Christopher Kube von ver.di in Düsseldorf erklärt, was der Abschluss in Nordrhein-Westfalen bewirkt.
Wie bewertest du den Tarifabschluss?
Sehr positiv. Der PTG-Tarifvertrag in NRW kommt nah dran an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Viele Beschäftigte in der Behindertenhilfe haben jetzt einige hundert Euro mehr in der Tasche. Außerdem hat der Abschluss für viel Schwung gesorgt.
Wie habt ihr den Abschluss genutzt?
Der Vorteil ist, dass wir dadurch Stärke aufbauen konnten. Allein im ver.di-Bezirk Düssel-Rhein-Wupper sind jetzt im Schnitt – verteilt auf alle PTG-Betriebe – rund 25 Prozent der Beschäftigten bei ver.di organisiert. Und in NRW insgesamt haben wir unseren Organisationsgrad in einem Jahr um die Hälfte gesteigert. Beim Verein „Behindert – na und?“ in Wuppertal zum Beispiel hat der Abschluss eine richtige Tarifbewegung angestoßen. Dort gibt es bislang keinen Tarifvertrag. Doch die Beschäftigten haben sich zum Ziel gesetzt, dass sich ihr Betrieb anschließt. Über 100 Beschäftigte sind deshalb neu bei ver.di eingetreten.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir machen klar, dass wir dauerhaft eine Bewegung aufbauen müssen. Diesen Tarifvertrag haben wir ohne Streiks geschafft. Aber bald wird neu übers Geld verhandelt und da bekommen wir nichts geschenkt. Um nicht abgehängt zu werden, brauchen wir viele Mitglieder, die sich in der Tarifrunde aktiv dafür einsetzen. Deshalb haben wir jetzt angefangen, regelmäßig zu Vernetzungstreffen von Beschäftigten im paritätischen Wohlfahrtsverband einzuladen. Und zwar sowohl aus Betrieben, für die der Tarifvertrag bereits gilt – als auch jenen, die ebenfalls in den Genuss kommen wollen. In erster Linie geht es darum, was wir zusammen tun können. Die Nachfrage ist groß. Deutlich ist zu spüren: Es passiert was.
»Für Schwung gesorgt« | Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft
Bildquellen
- PTG2: © verdi.de
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